10 Jahre nach Beginn des Irak-Krieges: Nachlesen bei Rot-Grün

Vor zehn Jahren begann der Irak-Krieg, den die USA, Großbritannien und eine Koalition der Willigen führten – ohne Deutschland. Wie es zu diesem Krieg kam, wie er ablief und warum Deutschland nach einem entschiedenen Nein des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder nicht daran teilnahm, ist in diesen Tagen praktisch überall nachzulesen. Deshalb nur der Hinweis auf einen Aspekt der deutschen Perspektive zu diesem Krieg:

Rot-Grün hat zusammen mit den vielen anderen Gegnern des Angriffs auf den Irak diesen Krieg nicht verhindern können. Die Verweigerung der aktiven Kriegsbeteiligung war nichtsdestoweniger ein historischer Teilerfolg. Man stelle sich vor, Bundestag und Bundesregierung hätten Bundeswehrverbände in diesen de facto völkerrechtswidrigen Angriffskrieg entsandt …

schreibt der frühere Bundestagsabgeordnete und Verteidigungsexperte der Grünen, Winfried Nachtwei. Er  hat zum zehnten Jahrestag in seinem privaten Archiv gekramt und Details der damaligen Entscheidungsfindung in der rot-grünen Bundesregierung mit Schröder und dem grünen Außenminister Joschka Fischer zusammengestellt. Diese Aufzeichnungen empfehle ich dringend zur Lektüre. Nicht nur wegen Nachtweis oben stehendem Fazit aus deutscher Sicht.

Vor 10 Jahren Beginn des Irak-Krieges: Die rot-grüne Opposition gegen den Krieg und die Gratwanderung der deutschen Nichtbeteiligung – eine historische Leistung! Aus meinen damaligen internen Stellungnahmen und Notizen, Teil I (bis Feb. 2003)

Vor 10 Jahren Beginn des Irak-Krieges: Die rot-grüne Opposition gegen den Krieg, Teil II (bis 1.4.2003)

Vor 10 Jahren Beginn des Irak-Krieges: Erste Kriegsbilanzen, Teil III (Juni 2003 – 2008)

Und dazu die Bilder aus diesem Krieg, die vielen in Erinnerung geblieben sein dürften – zusammengestellt von Time: A Decade of War in Iraq: The Images That Moved Them Most

(Foto: U.S. Army Soldiers attached to the 4th Battalion, 31st Infantry Regiment detain Iraqi suspects during the search for three missing Soldiers in Yusifiyah, Iraq, May 14, 2007 – U.S. Air Force photo by Staff Sgt. Dennis J. Henry Jr. via Flickr unter CC-BY-Lizenz)

36 Kommentare zu „10 Jahre nach Beginn des Irak-Krieges: Nachlesen bei Rot-Grün“

  • Alarich   |   18. März 2013 - 15:43

    Sind dieses Jahr Wahlen
    Jaaaaaaaaaaa

  • Wolfgang   |   18. März 2013 - 16:52

    > Sind dieses Jahr Wahlen

    Mann stelle sich vor, Rot-Grün regiert, es ist Wahljahr und ein Krieg beginnt. Was ist das dann? – Antwort: Eine humanitäre militärische Aktion.

  • tt.kreischwurst   |   18. März 2013 - 17:06

    @Wolfgang: Naja Rot-Grün war ja in der Regierung als es um Irak ging und da haben sie dann Wahlkampf auf dem Rücken des „Nein“ gemacht.

  • KeLaBe   |   18. März 2013 - 17:09

    Für mich waren die wichtigste Lektionen des Irakkrieges: Erstens, hinterher ist man immer klüger. Zweitens, traue nichts und niemandem. Drittens, fange nichts an, was Du nicht weitgehend zuende gedacht hast.

    Im Nachhinein finde ich es ziemlich peinlich mir selbst gegenüber, wie falsch ich damals mit meiner persönlichen Einschätzung lag. Ich war fest überzeugt, dass Saddam über Massenvernichtungswaffen verfügte und diese auch einzusetzen gewillt war. Ich hielt es auch für einen geradezu historischen Fehler, wie die deutsche (rot-grüne) Regierung sich bereits vor einem möglichen UN-Sicherheitsratsbeschluss präventiv ausklinkte und sich damit jeglicher eigener Einflussnahme beraubte. Und ich hätte nie geglaubt, dass dieser Krieg letztlich so lange dauern und so viele Opfer auf allen Seiten kosten könnte.

    Trotzdem gehe ich nicht so weit, diese Irak-Erfahrungen als Blaupause für alle anderen Konflikte zu nehmen, wie etwa für das Vorgehen oder Stillhalten gegenüber Assads Syrien. Aus der Geschichte kann und muss man lernen, aber sie wiederholt sich nicht eins zu eins. Diese Erkenntnis mag wahr sein, ist allerdings auch nicht gerade hilfreich.

  • Elahan   |   18. März 2013 - 17:20

    @KeLaBe

    Und es zeigt uns wieder die Mär vom Präventivkrieg!

    Sie finden immer einen Anlaß zu intervenieren!

    Es gibt nur einen Grund einen Krieg mit aller Härte zu führen und das ist die Verteidigung! Alles andere ist Politik und Geschäft!

  • T.Wiegold   |   18. März 2013 - 17:26

    Nun ja, zum Thema Wahlkampf und Rot-Grün: Die haben, das ist offensichtlich schon vergessen, einen Krieg wg. Kosovo angefangen. So zu tun, als hätten sie nur zurückgezuckt, ist nicht so ganz treffend.

  • tt.kreischwurst   |   18. März 2013 - 17:27

    @KeLaBe: Ums mit Twain zu sagen „History doesn’t repeat itself, but it does rhyme“

  • Heiko Kamann   |   18. März 2013 - 17:44

    650.000 Tote muss man erstmal „schön reden“ … gut das Schröder/Fischer nein sagten.

  • Interessierter   |   18. März 2013 - 18:01

    @ Heiko Kamann

    Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, Sie haben aber schon in Betracht gezogen, dass Die Lancet Survey, auf die Sie sich hier meines Erachtens beziehen Ihre Datenerhebung wenig objektiv hat betrieben lassen, oder?

    Und das sich die von Ihnen plakativ dargestellte Zahl von 650.000 auf unmittelbare wie mittelbare Kriegsfolgen gleichermaßen bezieht?

    Nichts für ungut, aber wenn der ermittelte Wert zwischen ca. 400.000 und 1.000.000 Opfern schwankt und bereits im Zuge der Veröffentlichung der Studie darauf hingewiesen wird, das die statistischen Methoden ungenau sind, ist diese für mich weder eine Diskussionsgrundlage, noch ein retrospektiver Bewertungsmaßstab für politisches Handeln.

    http://brusselstribunal.org/pdf/lancet111006.pdf

  • KeLaBe   |   18. März 2013 - 18:05

    @ Elahan

    Der Warnung vor den Irrwegen eines Präventivkrieges kann man nur zustimmen, vor allem dann, wenn im Kern wirtschaftliche Interessen (oft verdeckt) die Hauptrolle spielen.

    Andererseits ist es auch nicht immer ratsam, sehenden Auges unheilvolle Entwicklungen tatenlos zu beobachten und damit letztlich zu ermuntern. Wenn z.B. die Alliierten 1938 etwas bestimmter Hitler seine Grenzen (im wahrsten Sinne des Wortes) aufgezeigt hätten, wäre Europa und vor allem Deutschland vielleicht so manches erspart geblieben. Und bei nur kurzem Nachdenken fallen einem zahlreiche weitere Beispiele ein, wie Ruanda, oder Bosnien, oder Südsudan etc., in denen viele sich im Nachhinein ein frühzeitigeres Eingreifen gewünscht hätten. Auch das Prinzip der „responsibility to protect“ etwa zielt ja auf mehr als „nur“ Verteidigung des eigenen Landes.

    Wie gesagt, es ist eine Grauzone. Es gibt hier keine Patentrezepte, sondern es kommt immer „darauf an“, und darum ist und bleibt der politsche Wille letztlich entscheidend.

    @ tt.kreischwurst

    Da ist was dran. Allerdings sind Reime auch durchaus interpretationsbedürftige Geschmacksache, wie ein Blick auf die moderne Lyrik zeigt. Ähnelt ziemlich der Geschichte.

  • b   |   18. März 2013 - 18:18

    @KeLaBa – Wenn z.B. die Alliierten 1938 etwas bestimmter Hitler seine Grenzen (im wahrsten Sinne des Wortes) aufgezeigt hätten, wäre Europa und vor allem Deutschland vielleicht so manches erspart geblieben

    England war wie Frankreich 1938 nicht auf einen Krieg vorbereitet und hätte diesen offensichtlich verloren. Zudem war die deutsche Forderung auf das Sudetenland nicht unbegründet. Die überwiegende Bevölkerung in den fraglichen Gebieten war deutsch und deutschsprachig und befürwortete einen Anschluss. Chamberlains Entscheidung war damit richtig.

  • Wolfgang   |   18. März 2013 - 18:30

    > 650.000 Tote muss man erstmal “schön reden” … gut das Schröder/Fischer nein sagten.

    Etwa der Fischer, der in Lybien eine humanitäre militärische Intervention wollte?

  • Alarich   |   18. März 2013 - 18:32

    Es war der Anfang vom nein
    Und das die FDP mehr erfolge haben wollte was auch nicht so gelang
    Libyen Nein und Syrien Nein Anderseits bin ich auch dafür weil wenn man bedenkt die Männer mit Bärten die Akba schreien, macht auch keinen Sinn in Afghanistan bekämpft man Sie und da unterstütz man Sie .
    Den Frauen geht es schlechter wie unter den alten Herrscher

    Aber es waren die Grünen die 2003 Wahlen gewinnen wollten, und damit mit dem Irak Nato zum ersten Mal spalteten

  • Müller   |   18. März 2013 - 18:37

    @b

    Chamberlains Entscheidung war falsch, da eigentlich jedem hätte bewusst sein müssen, dass Hitler Krieg und keinen Frieden wollte. Letzterer war ja schon über das Müncher Abkommen unglücklich, da er lieber schon 38 losgeschlagen hätte.
    Man hätte Deutschland schon nach der Rheinlandbesetzung 36 militärisch in die Schranken weisen sollen, dann wären Europa dutzende Millionen Tote erspart geblieben.

  • KeLaBe   |   18. März 2013 - 18:41

    @ b

    Jetzt begeben wir uns auf ziemlich gefährliches Terrain der Diskussion. Vermutlich sollten wir das Thema besser nicht fortsetzen, zumal es auch vom Irakkrieg wegführt.

    Nur noch so viel als Antwort von meiner Seite: Es konnte doch weder Frankreich noch England noch sonst einer europäischen Mittelmacht verborgen geblieben sein, in welche Richtung das nationalsozialistische Deutschland spätestens seit 1933 driftete. Vielleicht war 1938 tatsächlich bereits ein Punkt erreicht, an dem zumindest kurzfristig wenig dagegen zu machen war. Zumindest haben aber alle schlichtweg die Zeichen der Zeit verkannt und jahrelang geschlafen. Das Aufwachen war umso herber.

    (Mir war bisher auch nicht bekannt, dass Hitlers Truppen 1938/39 einzig und allein nur das Sudetenland besetzt hatten. Ich dachte immer, auch die Rest-Tschechei wurde im März 1939 und damit deutlich vor Beginn des 2. WK völkerrechtswidrig annektiert.)

    @ Müller

    Da sind Sie mir aber ordentlich um 4 Minuten zuvorgekommen.

  • pit   |   18. März 2013 - 19:13

    Ich kann mich noch gut an diese Zeit erinnern. Ich empfand das Verhalten von Schröder für hochgradig bedenklich, wie sehr er doch dieses Thema für seinen eigenen Wahlkampf instrumentalisierte. Ich habe nichts gegen eine sachliche Auseinandersetzung, aber das ging zu weit. Wer „Zeitzeuge“ war, wird mir recht geben. Seriös und „staatsmännisch“ war das nicht. Aber vielleicht bin ich auch der einzige, der darauf noch Wert legt.

  • Voodoo   |   18. März 2013 - 19:45

    Wie hätte man den „Zuschlagen“ sollen? Weder England, noch Frankreich, noch die Sowjetunion waren rüstungstechnisch bereit für einen Krieg. Zumal die Franzosen ihr Zukunft in der Maginot-Linie sahen und wesentliche Entwicklungen ihrer Zeit „verpennten.“

  • Roman   |   18. März 2013 - 21:02

    Bleiben wir dabei. Jeder darf nur kurz seine Meinung dazu sagen, sonst artet das wirklich aus.

    Meine Behauptung hierzu: Ludiwg Beck hätte das Reich und Europa gerettet.

    Fester Beistand durch die Allierten, egal wie schwach erstmal -> die Tschechen hätten sich gewehrt -> Polen und Frankreich mit Druck an den beiden Außengrenzen -> Britisch-französsische Flotte in der Deutschen Bucht -> Blockade einer unvorbereiteten Wirtschaft-> die Septemberverschwörer um Beck hätten die NS-Regierung gestürzt-ein Bürgerkrieg wäre im Angesicht der Außenbedrohung unterblieben, der laufende Konflikt diplomatisch gelöst worden. Deutschland blieb einige Zeit eine Militärdidktatur mit möglicherweise soäterm Übergang zu einer schwachen Demokratie wie in der Türkei.

    Zum Thema:

    Ja, die verweigerte Zustimmung zum Irakkrieg war gut. Ich hatte sie damals auch gestützt und musste mir manch böses Wort dafür gefallen lassen. Dennoch finde ich es unerträglich, dass der „Angriffskrieg“ gegen Serbien hier mal glatt unter den Tisch gefallen lassen wurde.

  • Heiko Kamann   |   18. März 2013 - 21:40

    Interessierter | 18. März 2013 – 18:01
    Ist für Sie jetzt wichtig, ob es 100.000 Menschen mehr oder weniger sind, die getötet wurden? Es waren bedeutend mehr als „Bush seine offiziellen Zahlen“.

    Wolfgang | 18. März 2013 – 18:30
    Ich meinte den Fischer, der in Regierungsverantwortung „Nein“ gesagt hat …!

  • Elahan   |   18. März 2013 - 22:35

    @KeLaBe

    Das Problem war aber, dass sie mit Dem 3. Reich noch bis in die 40er Geschäfte gemacht hatten! Vielen Regierungen und Industriellen dieser Welt, war der Aktionismus der NAZIS willkomen.

    Wenn jemand isoliert ist (Nordkorea) und ihn dann noch den letzten Nabel schließt (China) ist es absehbar, wann er fällt oder eben keine Gefahr für den Rest der Welt ist!

  • Ghost Bear   |   19. März 2013 - 0:06

    Mal abgesehen von dem deutschem (wahlkampfbedingtem) Sonderweg ist eine so einseitige Betrachtung des Irak Krieges, wenn man von der Dauerrhetorik von/in Deutschlands Politkern/Medien/Friedensbewegten absieht, doch recht befremdlich

    Brutaler Diktator, der sein eigenes Volk mit Giftgas (fällt das nicht unter WMD?) angreift, abgesetzt und subsequent gehängt? Check

    Extrem eindrucksvolle konventionelle Militärkampagne vor der (zugegebener Maßen hausgemachten) „Insurgency“, wobei ich glaube das ein Bürgerkrieg ohne massive diktatorische Repressalien unvermeidlich war.
    Somit klares Signal an alle, wozu der Hegemon in der Lage ist. Check

    Eine Demokratie im Nahen Osten eingerichtet (Qualität derselbigen noch fragwürdig, aber immerhin). Nach nicht einmal 8 Jahren nach Kriegsbeginn „Arabischer Frühling“ mit Demokratisierungswelle in weiten Teilen des Nahen Ostens. Check

    Ob letzteres gut für uns (den Westen) ist sei mal dahingestellt, aber ich erinnere mich sehr gut daran, daß die Amerikaner in der Alten Welt regelmäßig für Ihr Sendungsbewußtsein bzgl. der Demokratie für Naiv und Dumm gehalten wurden und werden.

    Wenn Politiker die Welt als Schwarz/Weiß verkaufen und erst recht solche aus dem linken Lager ist der Output doch meist sehr sehr gering.

  • Alarich   |   19. März 2013 - 0:09

    Geht noch was hat das alles mit 3ten Reich zu tun
    Nord-Korea lebt und Stirbt mit China
    Deutschem Reich hatte andere Länder seine Politik Spanien Finnland Irak genau Irak um England zu schwächen was aber erst nach dem 2Wk Funktionierte und in arabischen Raum sind heute noch Abschriften von der Aufhetzungen

    Nord Korea hat und hängt an China und dadurch China Aufrüstet wie noch nie , kann sich Nord Korea sicher füllen

  • Elahan   |   19. März 2013 - 1:40

    @Ghost Bear

    Dann können sie in hundert anderen Saaten einmarschieren und verbessern die SiPo Interessen von Deu nicht!

  • Zivi a.D.   |   19. März 2013 - 10:48

    @Ghost Bear „Somit klares Signal an alle, wozu der Hegemon in der Lage ist.“
    Das dürfte eine Illusion sein,denn der Irak ist eines der vielen kleinen Fässer mit großen Löchern im Boden, an denen die US-Hegemonie verblutet ist, Die imperiale Überdehnung, vor der Kissinger gewarnt hat. Eben weil sich der Hegemon schon an den Zwergen Irak und Afghanistan verhoben hat (der letzte große Sieg wurde gegen die Weltmacht Grenada errungen) steht der gewesene Hegemon jetzt ziemlich belämmert in der Gegend herum und muss seine Rolle neu definieren.
    Und diese militärischen Dystrophie zieht mittlerweile auch den Verlust an wirtschaftlicher Dominanz nach sich. Vor ein paar Wochen haben sogar die Briten ihr Swap-Abkommen mit den Chinesen geschlossen, mit dem wieder ein fettes Salami-Scheibchen der Weltwirtschaft zur Dollarfreien Zone gemacht wurde und das US-Doppeldefizit umso teurer wird – was die Brits sehr genau wissen, ihnen aber gleichgültig ist. Der Finanzplatz London als wichtigster Devisenmarkt muss bei der Neuverteilung der claims im Währungssystem nach dem Ende der absoluten Dollar-Dominanz dabei sein, wie Mervyn King erschreckend deutlich sagte (ich hoffe dieser link ist statthaft, sonst raushauen):
    http://www.bbc.co.uk/news/business-21552601

  • Rio Amazoco   |   19. März 2013 - 11:37

    Wenn einer 1938 nicht bereit für den Krieg war, dann die hochgelobte deutsche Wehrmacht, die auch nach zwei weiteren Jahren größter Rüstungsanstrengungen ihren westlichen Gegnern noch derart unterlegen war, dass es fast an ein Wunder grenzt, wie es der vergreisten französischen Armeeführung 1940 gelingen konnte, den Westfeldzug in 14 Tagen zu verlieren (ich verweise nur auf Karl-Heinz Friesers bahnbrechendes Werk „Blitzkrieg-Legende“).

    1938 hätte sich Hitler einer hinter den Sudeten verschanzten, modernen tschechischen Armee gegenübergesehen, während Franzosen und Briten in seinem Rücken gestanden hätten. Genauso hätte ein entschlossener Angriff im Westen während des Polenfeldzugs 1939 zur deutschen Niederlage geführt, ganz abgesehen davon, dass deutsche Widerstandskreise für den Falle eines Kriegsausbruchs 1938 wegen der Aussichtslosigkeit der Lage einen Staatsstreich geplant hatten.

    Das ständige Zaudern, Nachgeben, Winseln und Sich-Erpressen-Lassen hat Hitler stark und stärker gemacht und weckte schließlich in ihm die Erwartung, die „Würmchen“ von München würden auch dem Überfall auf Polen tatenlos zusehen. Wäre Churchill (oder auch Roosevelt) von 1933 bis 1939 britischer Premierminister gewesen, dann wäre der Welt der 2. Weltkrieg erspart geblieben. Seltsamerweise gibt es aber in Deutschland keine Churchill-Schulen oder -Straßen, stattdessen wimmelt es von Bertha von Suttner und ähnlichen Gestalten.

    Appeasement führt nicht zum Frieden, sondern nach Auschwitz, das sollten sich alle selbsternannten Friedensapostel einmal hinter die Ohren schreiben.

  • Roman   |   19. März 2013 - 11:57

    @ Rio Amazoco

    +1

  • Heiko Kamann   |   19. März 2013 - 12:08

    Rio Amazoco | 19. März 2013 – 11:37
    Ach Gottchen, sind Sie selbsherrlich.

  • Zivi a.D.   |   19. März 2013 - 14:09

    @Rio Amazoco: „Appeasement führt nicht zum Frieden, sondern nach Auschwitz“ ist wohl ein bißchen sehr kurzsichtig gedacht, denn es stimmt zwar sicher im Hinblick auf 1938/39 aber schon in Bezug auf 1914 werden sie wenig Zustimmung erhalten und gleich noch darauf verwiesen, dass auch die Geschichte von 1933 bis 1945 eine Vorgeschichte hat. Solche apodiktischen Kurzschlüsse kommen mir immer vor, als wenn „Blindarm raus“ als allein seelig machende Therapie für alles und jedes empfohlen werden soll nach dem Motto „Ob Herzkasper, Lungenkrebs, Leistenbruch oder Rheuma: Hauptsache Blindarm raus“
    Deshalb kann man sich auch die billigen Beschimpfunge.n der Pazifisten ruhig sparen: Keiner von uns hat den Stein der Weisen bisher gefunden, allenfalls eine Menge interessanter (weil lehrreicher) Irrtümer.

  • Elahan   |   19. März 2013 - 14:31

    @Rio Amazoco

    „Appeasement führt nicht zum Frieden, sondern nach Auschwitz, das sollten sich alle selbsternannten Friedensapostel einmal hinter die Ohren schreiben.“

    Und was hat das mit dem Irak zu tun?

    Gibt es zwischen nichts tun und Waffenlieferung (Giftgaslieferung) an den Irak nicht noch viele andere Handlungsmöglichkeiten? Was hat der Holocaust mit dem Irak Krieg zu tun?
    Wer hatte sonst noch Interesse an den Aktionen Saddams? Wer hat sie unterstützt? War dies die Appeasementpolitik die sie meinen?

  • J.R.   |   20. März 2013 - 8:35

    @ Rio Appeasement
    Na, da haben Sie aber jetzt mit viel Schmackes die Oberfläche gestreift. ;)
    Ich glaube nicht, dass die meisten hier Ihrer Einschätzungen der Appeasement-Politik gegen Hitler wiedersprechen würden, auch wenn die Polemik gegen die Friedensbewegung aufstößt.

    Seltsamerweise gibt es aber in Deutschland keine Churchill-Schulen

    Könnte an Churchills Persönlichkeit oder dem Einäschern der einen oder anderen Großstadt samt Bevölkerung liegen.
    (… Und dann fragt man sich heutzutage allen ernstes, warum sich die Leute in Zentralasien über das Bombardiertwerden so aufregen.)

    Oder daran, dass er während des Krieges Auschwitz schlicht nicht ernstgenommen hat.
    (… Aber dieses „Das kann gar nicht so schlimm sein wie die vielen Augenzeugen berichten“ gab/gibts ja auch zu Ruanda, Bosnien und Syrien.)

    Aber insgesamt hat Elahan recht: Wo ist der Bezug zur Gegenwart?

    Dass Nichtstun zu Ruanda und Srebrenica führt? Nicht gerade neu.
    Dass das Kuscheln mit und Aufrüsten von Diktatoren diesen die Möglichkeit zu dann „überraschender“ Gewalt gibt? Der arabische Frühling ist immer noch aktuell und in Syrien blutiger denn je.

    Und auf der anderen Seite haben Sie ja im Irak das Gegenbeispiel: „Schlecht gemachter Interventionismus führt nicht zum Frieden, sondern nach Bagdad (oder Kandahar)“

    Das ist das derzeitige sicherheitspolitische Spannungsfeld: Auschwitz oder Bagdad. Und die derzeitige Haltung in den Nato-Staaten scheint zu sein „Alles außer Bagdad“. Die asymmetrische Abschreckung funktioniert. Da kommt die BW-Reform doch gerade rechtzeitig, um eine Ausrede zu haben die nächsten 10 Jahre die Hände in den Schoß zu legen…

  • Helmut   |   21. März 2013 - 18:03

    Die Bilanz der 10 Jahre ist in jedem Fall für die US-Regierung ein Dorn im Auge. Die Folgekosten werden die Haushaltskasse für eine sehr lange Zeit verfolgen. Das amerikanische Volk ist sauer, vor allem, das der wahre Grund des Kriegsbeginn so Niemanden so recht klar ist. (Quelle: AFP)

  • J.R.   |   21. März 2013 - 18:54

    Einige interessante Grafiken zu den US-Militärausgaben hat die Washington Post.

    Die sind mittlerweile höher als sie es zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs, des Vietnam-Kriegs oder gegen Ende des Kalten Krieges waren.

  • Marlene   |   25. März 2013 - 11:31

    Ist mir beim Durchblättern des Blogs auf der Suche nach Beiträgen zu Veteranen jetzt erst aufgefallen:

    >> Vor zehn Jahren begann der Irak-Krieg, den die USA, Großbritannien und eine Koalition der Willigen führten – ohne Deutschland.

    Daaas stimmt so nicht ganz, Herr Wiegold.

    Abgesehen von den Überfluggenehmigungen und der Bereitstellung des Flughafens Halle-Leipzig als Umschlagflughafen für Material und vor allem Personal gab es vom Februar 2002 bis Juli 2003 ein Kontingent deutscher ABC-Abwehrsoldatinnen (generisches Femininum) in Kuwait, die zur direkten Unterstützung der US-Truppen im Irak abgeordnet waren (nachzulesen beispielsweise hier: http://www.neon.de/artikel/sehen/politik/der-krieg-geht-weiter/684850 und in „Die reden – Wir Sterben“ von Andreas Timmermann-Levanas).

    Darüber liest und hört man allerdings nur ganz wenig (ich weiß es auch nur, weil ich mich an den NEON-Artikel wieder erinnert habe), das sagt ja viel über die damalige Bundesregierung…

  • T.Wiegold   |   25. März 2013 - 12:10

    @Marlene

    Das stimmt schon, und ich hätte auch anführen können, dass die Bundeswehr mehr Soldaten für die Bewachung von US-Liegenschaften in Deutschland einsetzte (um damit US-Truppen für den Irak freizustellen), als manche tatsächliche Kriegsteilnehmer bereit stellten…

    (Habe das 2005 auch so geschrieben:

    Obwohl sie keine Truppen schickte, unterstützte die Bundeswehr den Verbündeten wie kaum ein anderes Land: Die Marine legte mehr als die Hälfte ihrer Minensucher-Flottille an die Kette, weil die Matrosen amerikanische Stützpunkte bewachen mussten; deutsche Soldaten kontrollierten über der Türkei den Luftraum an der irakischen Grenze; in Kuwait standen ABC-Spürpanzer gegen mögliche irakische Chemiewaffenangriffe in Bereitschaft.

    )

    Aber diese mittelbare Unterstützung, ebenso wie die von Ihnen aufgeführten Maßnahmen, und das ABC-Abwehrbataillon in Kuweit waren eben dass: mittelbare Unterstützung. Kriegsteilnehmer im eigentlichen Sinn waren deutsche Truppen nicht..

  • RGB   |   28. März 2013 - 20:48

    @ Marlene | 25. März 2013 – 11:31
    Tatsächlich „gab es vom Februar 2002 bis Juli 2003 ein Kontingent deutscher ABC-Abwehrsoldatinnen … in Kuwait“ wie sie schreiben, aber eben NICHT zur „direkten Unterstützung der US-Truppen im Irak“. Ich war im Jahr 2002 dabei…

    Es handelte sich hier um die „Combined Joint Task Force Consequence Management“ (CJTF CM) aus amerikanischen, tschechischen und deutschen Soldaten. Die Aufgabe der CJTF CM war es, den Staaten in der Region um den Irak herum bei einem Einsatz von Massenvernichtungswaffen zur Hilfe zu eilen. Andere Planung habe ich als Angehöriger des Bataillonsstabes nicht mitbekommen.

    Zur Truppe gehörten übrigens nicht nur das deutsche (verminderte) „ABC-Abwehrbataillion Kuwait“ und die tschechische (verstärkte) ABC-Abwehrkompanie, sondern auch amerikanische Pionier-, Bau-, Sanitäts- und Sicherungskräfte, die aber alle an anderer Stelle eingesetzt waren und für die CJTF CM dort hätten abgezogen werden müssen.
    Nur die Tschechen, wir Deutschen und der US-geführte Stab standen ausschließlich „bereit“ – wobei ich nicht weiß, was der US-Stab die meiste Zeit gemacht hat: in den Teil des Gebäudes durften Tschechen und Deutsche nämlich nicht hinein.

    Kuwait war tatsächlich nur das Stationierungsland. Da im Norden auch die Türkei zum Einsatzgebiet gehörte und in zeitlich unserem Kontingent auch Winter vorkommen sollte, wurden wir nicht nur mit Heißwetter-Bekleidung, sonder auch mit Kälteschutz-Bekleidung ausgerüstet…

    Ach ja, zum Artikel unter neon.de: Uns waren auch sechs amerikanische Spürpanzer „Fox“ der US Army mit ihren Besatzungen unterstellt. Die Fahrzeuge waren vormals von der Bundeswehr, hatten jedoch andere Funkgeräte und – keine schlechte Sache in der Wüste – eine Klimaanlage! Unsere sechs „Füchse“ hatten nur „Kampfraum-Kühlanlagen“, in der Mitteleuropa-Ausführung…

  • RGB   |   28. März 2013 - 20:52

    @ T.Wiegold | 25. März 2013 – 12:10
    Es waren nicht nur sechs A/C-Spürpanzer. Zum Kontingent gehörten auch umfangreiche Dekontaminationskräfte und sogar ein „B-Proben-Entnahme-Trupp“.
    Aber es war ausdrücklich keine Unterstützung der amerikanischen Truppen, auch keine „mittelbare Unterstützung“, demzufolge verlegten die deutschen Truppen auch nicht in den Irak, wie viele andere Truppen aus Camp Doha, sondern verblieben in Kuwait.